Hallo zusammen, Alex hier. Heute geht’s um eine ganz besondere Gruppe unter uns Selbstständigen: Künstler:innen. Also Menschen, die von ihrer Kreativität leben – sei es als bildende Künstler, Musikerinnen, Autor:innen, Schauspieler:innen, Tänzer:innen oder Performer.
Und ich sag’s gleich vorweg: Finanzierung in der Kunst ist ein schwieriges Thema. Nicht, weil Kreativität nichts wert wäre – im Gegenteil! Sondern weil viele Geldgeber damit schlicht nichts anfangen können. Banken verstehen selten, wie ein Kunstprojekt entsteht, wie Einnahmen zustande kommen oder wie sich der „Wert“ deiner Arbeit beziffert.
Trotzdem ist es möglich, als freischaffende:r Künstler:in an Geld zu kommen – für Technik, Ausstellungen, Material, Reisekosten oder einfach, um eine Schaffensphase zu überbrücken. Ich zeige dir heute, wie du auch ohne festen Rahmen und klassische Aufträge eine Finanzierung bekommst, die zu dir passt.
1. Warum Künstler:innen es schwerer haben bei der Finanzierung
Ein paar typische Hürden, die ich aus Gesprächen kenne – und selbst erlebt habe:
- Unregelmäßige Einnahmen (mal viel, mal nichts)
- Fehlende „klassische“ Aufträge oder Verträge
- Schwierigkeit, Einnahmen realistisch zu prognostizieren
- Oft keine Rücklagen oder Sicherheiten
- Selbstdarstellung fällt schwer (besonders, wenn’s um Zahlen geht)
Aber: Wer als Künstler:in seinen Lebensunterhalt bestreitet, beweist unternehmerisches Denken – auch wenn’s von außen oft nicht so aussieht. Du musst nur lernen, das richtig zu zeigen.
2. Wofür brauchen Künstler:innen eigentlich Kredite?
Ein paar typische Fälle aus dem echten Leben:
- Anschaffung von Technik (Kamera, Instrumente, Tonstudio, Licht)
- Finanzierung einer Ausstellung, Tournee oder Produktion
- Atelierausstattung oder Renovierung
- Reisekosten (z. B. für Residenzen, Auftritte, Workshops)
- Investition in Selbstvermarktung (Website, Social Media, Branding)
- Zwischenfinanzierung von Fördergeldern, die erst später ausgezahlt werden
Viele dieser Dinge sind konkret, sinnvoll und umsatzwirksam – genau das musst du beim Antrag herausstellen.
3. Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für Künstler:innen?
a) Mikrokredite für Kreative
Für kleinere Beträge (bis ca. 25.000 €) eignen sich Mikrokredite hervorragend – besonders, wenn du kein geregeltes Einkommen hast.
Anbieter:
- Deutsches Mikrokreditinstitut
- Iwoca
- auxmoney (als Plattform)
Vorteil:
- Entscheidung nach Projekt und Motivation, nicht nur nach Zahlen
- Keine Sicherheiten nötig
- Relativ unkomplizierte Antragstellung
Tipp: Erkläre dein Vorhaben einfach – z. B. „Ich möchte eine Ausstellung realisieren und brauche 8.000 Euro für Druck, Rahmen, Galerie-Miete und Transport.“
b) Plattformkredite (P2P)
Über Plattformen wie auxmoney oder Smava kannst du Kreditgeber:innen direkt ansprechen.
- Du stellst dein Projekt vor
- Du bekommst Geld von privaten Investor:innen
- Dein Score ist nicht alles – dein Auftritt zählt
Ideal, wenn du kommunizieren kannst, was du vorhast – schriftlich oder per Video.
c) Privatkredit mit freiem Verwendungszweck
Wenn du z. B. noch ein gutes Schufa-Scoring hast, kannst du auch einen klassischen Ratenkredit aufnehmen – etwa für Technik oder Umbaumaßnahmen im Atelier.
Vorteil:
- Keine Fragen nach dem Businessmodell
- Freie Verwendung
- Feste Laufzeit und Raten
Nachteil:
- Nicht steuerlich absetzbar, wenn du den Kredit rein privat aufnimmst
d) Vorschuss statt Kredit (z. B. im Buch- oder Musikbereich)
Wenn du mit Verlagen, Labels oder Galerien zusammenarbeitest, ist ein Vorschuss oft einfacher als ein Kredit.
- Kein Zins
- Direkte Auszahlung
- Rückzahlung über spätere Einnahmen (z. B. Honorare, Tantiemen)
Auch Förderinstitute bieten teilweise Vorschüsse auf zugesagte Fördermittel – einfach nachfragen.
4. Alternativen zum Kredit
a) Crowdfunding für kreative Projekte
Ob Kunstbuch, Musikalbum, Tournee oder Ausstellung – viele Kulturprojekte lassen sich über Crowdfunding finanzieren.
Plattformen:
- Startnext
- Kickstarter
- Patreon (für kontinuierliche Unterstützung)
Wichtig: Du brauchst Reichweite – oder einen guten Plan, wie du sie aufbaust.
b) Stipendien und Förderprogramme
Für Künstler:innen gibt es viele Zuschüsse – oft zweckgebunden, aber nicht rückzahlungspflichtig.
Mögliche Quellen:
- Kulturstiftungen (z. B. Stiftung Kulturwerk, Kulturstiftung des Bundes)
- Landesförderungen
- Stipendien für Auslandsaufenthalte oder Schaffensphasen
- Programme wie „Neustart Kultur“
Ja, der Papierkram ist nervig – aber es lohnt sich.
5. Was bei der Beantragung besonders zählt
a) Ein konkreter Projektplan
Was willst du machen? Was kostet es? Was bringt es dir finanziell (oder langfristig in deiner Karriere)?
b) Deine bisherigen Referenzen
- Ausstellungen
- Auftritte
- Veröffentlichungen
- Presseberichte
- Förderzusagen
Zeig, dass du deinen Beruf ernst nimmst – und davon leben kannst.
c) Ehrlichkeit bei Einnahmen
Auch wenn’s schwankt: Zeig, wie du dich über Wasser hältst. Ob über Auftritte, Verkäufe, Nebenjobs oder Honorare – alles zählt.
Auch Künstler:innen bekommen Kredite – aber oft auf anderen Wegen
Banken mögen vielleicht keine abstrakte Kunst – aber sie mögen klare Pläne, Übersichtlichkeit und Struktur. Genau das kannst du liefern, ohne dich zu verbiegen.
Mit einem konkreten Projekt, realistischen Zahlen, etwas Mut zur Sichtbarkeit und dem richtigen Ansprechpartner bekommst du auch als Künstler:in Zugang zu Finanzierung.
Du brauchst nicht viel – aber du brauchst einen Plan.
Wie hast du deine letzten Projekte finanziert? Crowdfunding, Kredit oder Zuschuss? Ich bin gespannt auf deine Geschichte.